Petra Sewing Mestre Frauen Wie Gelingt Kommunikation

Wie gelingt Kommunikation? Oder: Win-Win für alle Beteiligten

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27. Januar 2021

Ist doch ganz einfach: Kommunikation gelingt, wenn die Gesprächspartner einander hören und verstehen. Hört sich doch völlig selbstverständlich und simpel an, ist es aber keineswegs!

Wir alle kennen Situationen, in denen wir etwas gesagt haben und unser Gegenüber versteht das Gemeinte völlig falsch (oder andersherum) und zack! – schon ist der grosse Knall da. Und keiner weiss so richtig, was eigentlich passiert ist, warum das Gespräch einen so völlig anderen und nicht gewollten Verlauf genommen hat. Ohne dass wir es beabsichtigen, haben unsere Worte oft Verletzungen und Leid zur Folge – bei anderen und auch bei uns selbst. Auch ich kannte solche Situationen und stand, wenn ich ganz ehrlich bin, sogar als ausgebildete Sprachwissenschaftlerin oft ratlos vor diesem Kommunikations-Dilemma.

Eine neue Dimension von miteinander Sprechen

Das änderte sich, als ich das Konzept der «Gewaltfreien Kommunikation» (GFK) des amerikanischen Psychologen Marshall B. Rosenberg für mich entdeckte. Was soll ich sagen: Eine völlig neue Dimension von Verständnis und Selbstreflexion tat sich für mich auf!
Für mich ist die Gewaltfreie Kommunikation inzwischen nicht nur ein bestimmtes Verhalten im Gespräch, sondern praktisch eine Lebenshaltung geworden. Die ich in all meinen sozialen Interaktionen mit meinen Mitmenschen anstrebe, die aber auch mir keineswegs immer gelingt!

In diesem Blogartikel möchte ich euch gerne mit den grundlegenden Prinzipien der GFK vertraut machen. Es ist nur ein ganz kleiner Anriss der Grundzüge eines neuen Kommunikationsverhaltens. Aber es lohnt sich wirklich, sich mit dieser Art des miteinander Umgehens zu beschäftigen. Es gibt viele Möglichkeiten, GFK zu lernen, man kann es aber auch anwenden, wenn der Gesprächspartner überhaupt keine Ahnung von dieser Art zu kommunizieren hat und es selbst nicht anwendet.

Die Beispiele, die ich in meinem Beitrag verwende, stammen vorwiegend aus dem Buch «Gewaltfreie Kommunikation» von Andreas Basu und Liane Faust, das im Haufe-Verlag erschienen ist. Um sich vielleicht erst mal ein bisschen einzulesen und zu erfahren, um was es überhaupt geht, empfehle ich euch das Grundlagenwerk «Gewaltfreie Kommunikation – Eine Sprache des Lebens» von Marshall B. Rosenberg, das im Verlag Junfermann erschienen ist.

Aber ich bin doch gar nicht gewalttätig!

Worum geht es nun genau? Manch einer mag vielleicht bei dem Wort «Gewaltfrei» ein wenig zurückschrecken, mit Gewalttätigkeit hat die GFK nichts zu tun – oder höchstens nur sehr indirekt. Marshall B. Rosenberg hat den Begriff in Ableitung aus dem indischen Sanskrit-Wort «Ahimsa» benutzt, der auch von Mahatma Gandhi in diesem Sinn verwendet worden ist. Ahimsa umfasst dabei mehr als nur den gewaltfreien Widerstand, sondern bezeichnet eine komplexe Lebenseinstellung, die grundsätzlich eine Schädigung und Verletzung anderer vermeidet.

«Gewalt» meint in der GFK die Form des Denkens und Sprechens, die Bewertungen enthält oder wenn man sich um die Erfüllung der eigenen Bedürfnisse kümmert und die Bedürfnisse der anderen nicht berücksichtig.

Damit ist jetzt nicht das Motto «Wir haben uns alle lieb» gemeint, sondern es geht vielmehr darum, Konflikte aktiv anzugehen und zu lösen und sie eben nicht zu verdrängen. So eben auch im Gespräch.

Wie funktioniert das Ganze nun?

Kommunikation bedeutet eine Nachricht senden, empfangen und prüfen. Das geschieht nicht nur mit Worten, sondern auch mit Blicken oder Gesten. Man sendet praktisch ständig Signale aus, die der Partner interpretiert. Damit beim anderen genau das ankommt, was man tatsächlich gemeint hat, ist es grundlegend, sich darüber im Klaren zu sein, was, wie und aus welcher Haltung man kommuniziert.

Die vier Schritte der Gewaltfreien Kommunikation sind:

  1. Wertfreies Wahrnehmen und Beobachten
    Frage: Was sehe und höre ich? Was nehme ich wahr, ohne die Situation oder
    Andere zu beurteilen?
  2. Gefühle wahrnehmen und benennen
    Frage: Wie fühle ich mich? Entspannt, zuversichtlich, erfreut, erschöpft, ärgerlich?
  3. Bedürfnisse wahrnehmen und benennen
    Frage: Was brauche ich? Sicherheit, Ruhe, Hoffnung, Nähe, Unterstützung, Rücksicht?
  4. Bitte zur Erfüllung des Bedürfnisses äussern
    Frage: Handelt es sich wirklich um eine Bitte oder um eine Forderung?

Um das Kommunikationsverhalten wirklich nachhaltig zu verändern, braucht es Klarheit über diese Dinge und vor allem Übung. Ich werde in der Zukunft in loser Folge auf die einzelnen Schritte intensiver eingehen und Beispiele zur Verdeutlichung nennen. Sich mit dieser Art der Konfliktlösung zu befassen, lohnt sich ungemein. Ich halte es selbst für eine grosse Aussage, die mir fast ein bisschen die Luft wegnimmt, aber ich glaube tatsächlich:

Wenn wir besser lernen, mit Empathie zu kommunizieren und die Verantwortung für unsere Gefühle und Bedürfnisse selbst zu übernehmen, gäbe es wahrscheinlich in letzter Konsequenz keine Kriege mehr.

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