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Selbstbewusst sind wir schon – wissen das auch alle?

Wenn es um die Gleichberechtigung von Frauen geht, habe ich oft den Eindruck, dass sich die Diskussion nur auf die Frauen selbst und die Frage beschränkt, was ist zu tun, um Frauen zu stärken? Und dadurch entsteht oft der Eindruck, Frauen seien immer noch schwach und noch lange nicht stark genug, ihren “Mann zu stehen”. Dem ist aber überhaupt nicht so: Frauen müssen nicht beweisen, dass sie stark sind. Sie brauchen aber passende Rahmenbedingungen, damit sie ihre Stärke auch leben können.

“Feminism isn’t about making women stronger.

Women are already strong, it’s about changing the way the world perceives that strength.”

Geena Dunne

Frauen sind bestens vorbereitet, um Grosses zu vollbringen: Junge Frauen haben in Sachen Schulabschluss überall die Nase vorn. Die UNESCO beobachtet weltweit einen starken Anstieg von Mädchen, die eine weiterführende Schule besuchen. Bemerkenswert sind die stärksten Zuwachsraten in der sekundären Schulbildung in den asiatischen und arabischen Ländern. Dieser Trend setzt sich im tertiären Bildungsbereich weiter fort. Demnach sind Frauen auf der ganzen Welt eindeutig die Bildungsgewinner. Und bei dieser Entwicklung gibt es noch ein positives Ergebnis obendrein:

In der Frauengeneration 50+ hat sich das Selbstbewusstsein verdoppelt!

Von 25 Prozent der 50- bis 64jährigen auf 49 Prozent – sagt jedenfalls auch die UNESCO. Und auch die Männer ziehen da mit: Den Untersuchungen zufolge ist für fast 50 Prozent der jungen Männer zwischen 16 und 29 Jahren das Selbstbewusstsein der Partnerin eine Eigenschaft, die sie sehr schätzen.

Glaubt man den weltweiten Umfragen, ist also das Selbstbewusstsein und das Bewusstsein für die Emanzipation bei den Frauen gar nicht so schlecht, wie oft gedacht. Aufgrund ihrer sehr guten Ausbildung und Leistungsfähigkeit rücken immer mehr Frauen in einstige Männerdomänen vor. Immer mehr junge Frauen ergreifen (akademische) Berufe, in denen man einst nur männliche Beschäftigte fand. So wird beispielsweise der Studiengang Humanmedizin mittlerweise von gut 61 Prozent Studentinnen besucht. Auch der Anteil der Frauen, die anschliessend als Ärztinnen arbeiten, ist in den letzten zwanzig Jahren um ca. zehn Prozent auf 43 Prozent angestiegen.

Also läuft für die Frauen alles in die richtige Richtung?

Nein, leider nicht, wenn man das auch bei den vorgestellten Zahlen leicht denken könnte. Zwar akzeptieren inzwischen auch die meisten Männer die Berufstätigkeit ihrer Partnerin und sind dementsprechend bereit, bei der Arbeit in der Familie mehr anpacken zu müssen, das Dilemma besteht aber weiterhin. Markus Theunert, ehemaliger Männerbeauftragter des Kantons Zürich, bringt die Problematik auf den Punkt:

“90 Prozent der Männer äussern einer repräsentativen Umfrage des Kantons St. Gallen zufolge den Wunsch, Teilzeit zu arbeiten, aber nur 13,4 Prozent tun es. Es gibt also einen enormen Graben zwischen Wunsch und Wirklichkeit.”

Quelle:https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/die-zukunft-ist-weiblich-megatrend-female-shift/

Frauen fassen die Mutterschaft inzwischen zunehmend anders auf, als ihre eigenen Mütter. Sie verabschieden sich vom Bild der Rund-um-die-Uhr-Mutter und haben den Anspruch, Karriere und Kind unter einen Hut zu bringen. Das funktioniert, solange die aufgebauten Organisationsstrukturen der Kinderbetreuung mit Tagesmutter, Kita, Kindergarten etc. zur Verfügung stehen. Aber wehe, wenn auch nur ein Rädchen in diesem Getriebe nicht mehr funktioniert. Dann werden plötzlich die meisten beruftstätigen Frauen wieder auf ihren Status als “Mutter” reduziert und finden sich plötzlich im Alltag ihrer Mütter und Grossmütter wieder, denn die Männer stehen ja für Betreuung und Home Schooling meistens nicht zu Verfügung – deutlich mitzuverfolgen im ganzen letzten Jahr der Corona-Pandemie. Wenn du lesen möchtest, warum besonders die Frauen von der Pandemie betroffen waren, lies gerne hier weiter: https://frauenakademie-luzern.ch/2021/frauen-und-corona/.

Also alles die Schuld der Männer?

Nein, überhaupt nicht. Viele Männer sind heute nach der Geburt ihres Kindes absolut bereit, ihre Karrierepläne zu überdenken und beruflich zugunsten der Familie zurückzustecken, um ein “guter” Vater zu sein. Das bedeutet, am Leben des Kindes aktiv teilzunehmen und eben nicht nur der “Feierabend-” oder “Wochenend-Papi” zu sein. Aber auch den Männern wird das Familienleben schwer gemacht: In der erwähnten Umfrage des Kantons St. Gallen gaben 99 Prozent der 1000 befragten arbeitenden Väter an, dass die Erwartungen ihrer Chefs nach der Geburt des Kindes genauso hoch oder noch gestiegen waren. Verständnis für die Bedürfnisse in der neuen Situation? Liegt bei Null – dass Männer sich durchaus gleichberechtigt mit ihrer Partnerin an der Kindererziehung beteiligen wollen, ist in vielen Bereichen der Gesellschaft noch nicht angekommen und akzeptiert.

“Der neue Vater ist das fehlende Stück

der Emanzipation.”

https://www.zukunftsinstitut.de/artikel/die-zukunft-ist-weiblich-megatrend-female-shift/

Wenn wir über Gleichberechtigung oder Emanzipation reden, geht es also schon lange nicht mehr darum, die Rolle der Frau zu stärken, sondern der Gesellschaft die neue Rolle der Frau nahezubringen. Die Berufswelt muss darauf reagieren und männliche Mitarbeiter auch als Väter mit Fürsorgepflichten und -wünschen sehen. Profitieren davon würden letztendlich wir alle, denn ein ausgeglichenes Verhältnis der Geschlechter fördert die Wirtschaft eines Landes. Wie Untersuchungen zeigen, weisen die skandinavischen Länder mit 75 Prozent die höchste Quote an berufstätigen Müttern in Europa auf. In Island liegt beispielsweise die Geburtenziffer bei 2,2 Kindern pro Frau, in Deutschland bei 1,4 Kindern und in der Schweiz bei 1,5 Kindern. Der Grund dafür sind die verbesserten Beschäftigungsmöglichkeiten für Familien mit kleinen Kindern in diesen Ländern.

Was ist also zu tun?

Ich denke, wir sollten bei unseren Bemühungen um die Gleichberechtigung der Frauen auch die Männer mit ins Boot holen. Denn auch die Männer sind durch die berechtigten (!) Gleichstellungsbemühungen der Frauen, in Beruf und Privatleben aufgefordert, ihre Rollen, Wünsche und Bedürfnisse zu überdenken und den veränderten Situationen anzupassen. Viele Männer sind durchaus bereit, ihre Vaterschaft aktiv zu gestalten und sich auch zeitlich viel mehr in das Familienleben einzubringen, wenn man sie dann liesse.

Vor allem die Politik könnte eine glaubwürdige Rolle dabei spielen, die Gleichberechtigung weiter voranzutreiben – mit geeigneten Beschlüssen zur Frauenquote und vor allem mit dem Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen.

Vielleicht ist es an der Zeit, einfach mal den Blickwinkel auf die Gleichberechtigung zu verändern, denn Frauen sind keine schwachen Wesen:

Frauen sind gut, so wie sie sind!

Frauen brauchen einfach nur Bedingungen und Umstände, in denen genau das erkannt wird!

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