Petra Sewing Mestre Frauen Corona 10 Tipps Partnerschaft

Paar sein, Paar bleiben in der Corona-Krise

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27. Januar 2021

Homeoffice, Home-Schooling, fehlender Abstand, finanzielle Unsicherheit, kaum Kontakt zu Bekannten und Freunden – viele Paare sind inzwischen durch die Corona-Pandemie erheblich belastet. Zudem ist man mit Ängsten und Unsicherheiten beschäftigt – und damit geht jeder anders um: Während die einen das Gespräch suchen und über ihre Gefühle sprechen möchten, wollen andere sich zurückziehen und die Situation am liebsten ignorieren.

Corona wirkt als Brandbeschleuniger für Beziehungsprobleme.

Gründe für Beziehungsprobleme gibt es vor allem, wenn es um die Betreuung von Kindern geht. Aufgrund der notfallmässig organisierten Kinderbetreuung wegen geschlossener Kindergärten und Home-Schooling fühlen sich berufstätige Frauen plötzlich wieder in das Rollenmodell der 50er Jahre versetzt: Der Mann verdient das Geld – wenn er seinen Job nicht durch die Folgen der Pandemie verloren hat -, und die Frau kümmert sich um alles andere. Bereits vorhandene Probleme lassen sich nicht mehr unter den Teppich kehren und treten voll ans Tageslicht – Stress ist dadurch vorprogrammiert. Wie können Paare diese Zeit gut überstehen und mit der ungewohnten Situation umgehen?

Nachfolgend 10 Tipps, die der Beziehung guttun – nicht nur zu Corona-Zeiten.

1. Eine realistische Einstellung bezüglich der Situation einnehmen

Paare, die sich sonst nach dem langen Arbeitstag erst wieder am Abend sahen, verbringen nun häufig 24 Stunden miteinander. Es ist völlig normal, dass man zuerst lernen muss, unter diesen Umständen miteinander umzugehen. Reibereien – bis zu einem bestimmten Grad – sind normal! Beide Parteien müssen zuerst ihren Platz finden und mit der neuen Situation umgehen. Einfach mal zu akzeptieren, dass nicht alles glatt läuft, ist der erste Schritt zu einem entspannteren Umgang mit der Lage.

2. Strukturen und Regeln festlegen

Menschen, die bisher den Tag getrennt verbracht haben, müssen sich nun auf die Tagesstruktur des anderen Partners einstellen. «Warum mischt du dich überall ein und pfuschst mir dazwischen?» – Damit es möglichst erst gar nicht zu solchen Vorwürfen kommt, ist es wichtig, den gemeinsamen Alltag neu zu gestalten und Aufgaben und Abläufe klar zu strukturieren.

3. Arbeit und Privates trennen

Arbeiten im Homeoffice kann schnell dazu führen, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Privatzeit verwischen. Deshalb sollte man gemeinsam festlegen, wann man Feierabend macht und sich Zeit für die Beziehung nimmt. Wichtig ist natürlich, dass kein Partner versucht, dem anderen seine Vorstellungen aufzudrängen. Feste Regeln sind jedoch sinnvoll: Wer steht wann auf? Wer kümmert sich um den Einkauf und das Home-Schooling?

Heisser Zusatztipp: Am besten beim Abendessen nicht über die Arbeit
oder Corona sprechen – verdirbt meistens den Appetit!

4. Eigene Werte erkennen

Jeder geht mit Ausnahmesituationen anders um. Die einen stürzen sich so richtig in die Hausarbeit oder das Ausmisten, andere lassen es lieber gemütlich angehen. Die Krise lässt sich besser überstehen, wenn man Klarheit darüber gewinnt, was einem wichtig ist: Was brauche ich, um ein erfülltes Leben zu führen? Auf was muss ich vielleicht meinem Partner zuliebe verzichten? Was ist mir überhaupt wichtig im Leben? Wenn man das bewusst wahrnimmt, kann man schneller sagen: «Ok, das nehme ich jetzt einfach mal in Kauf.»
Und man kommt nicht so schnell dazu, dem Partner Vorwürfe zu machen, wenn mal etwas nicht so läuft, wie man es eigentlich gerne hätte.

5. Gefühle wahrnehmen und Bedürfnisse dem Partner mitteilen

Wenn die Socken auf dem Boden oder die nicht geschlossene Zahnpastatube ständig Anlass zu Streitereien geben, steckt vielleicht ein ganz anderes Problem dahinter. Möglicherweise sind dies versteckte Wünsche nach mehr Aufmerksamkeit und Zuwendung. Verdrängte Bedürfnisse verwandeln sich oft in Ärger, der wiederum auf den Partner gespiegelt wird. Hier lohnt es sich, sehr genau hinzuschauen, mit sich selbst in Kontakt zu treten. Dann wird es möglich, Gefühle und die ihnen zugrunde liegenden Bedürfnisse zu erkennen und dem Partner mitzuteilen.

6. Wenn schon streiten, dann konstruktiv

Manchmal klärt ein Streit wie ein reinigendes Gewitter die Situation. Damit der Streit jedoch nicht zur grossen Krise eskaliert, gilt es einiges zu beachten:

  • Bleibe in der konkreten Situation und vermeide Verallgemeinerungen.
    (Nicht: «Du lässt immer alles rumliegen!»)
  • Kritisiere deinen Partner nicht als Person, sondern sprich das Verhalten an.
    (Nicht: «Ein Idiot wie du …»)
  • Sprich in normaler Lautstärke, Brüllen ist kontraproduktiv.
  • Einen Konflikt zu klären bedeutet nicht, dass das Ziel darin besteht, den Partner
    dazu zu bringen, das zu tun, was man von ihm möchte.
  • Informiere dich über die Prinzipien der gewaltfreien Kommunikation, damit in Zukunft Konflikte gar nicht erst entstehen.

7. Freiräume schaffen

Nur weil man nun unter Umständen rund um die Uhr Zeit miteinander verbringt, bedeutet das nicht, dass man die Zeit mit sich selbst vernachlässigen sollte. Auch wenn beide Partner zu Hause sind, kann man durchaus Zeit mit sich alleine verbringen. Manche Menschen benötigen mehr davon, andere weniger. Es gilt – wenn irgendwie möglich – sich selbst nicht aus den Augen zu verlieren und die eigenen Freiräume zu bewahren. Man sollte sich immer wieder freie Zeitfenster in den Tag einbauen, in denen jeder etwas für sich alleine macht. Für den einen ist es die tägliche Jogging-Runde, für den anderen die Lieblingsserie auf Netflix oder das spannende Buch, in das man abtaucht und die Welt vergisst. Man darf auch mal mehr als die gebotenen 1,5 Meter Abstand einhalten!

8. Körperliche Nähe ist wichtig

Ja, ganz richtig gelesen: Obwohl die Parole «Abstand halten» lautet und Händeschütteln und Umarmungen tabu sind, gilt das natürlich nicht für den eigenen Partner. Besonders in stressigen Zeiten tun Berührung und Hautkontakt einfach gut. Die positive Wirkung von Umarmungen und Streicheln ist sogar wissenschaftlich bewiesen: Der Körper schüttet vermehrt das «Kuschelhormon» Oxytocin aus, baut damit Stresshormone ab und verlangsamt die Atmung und den Herzschlag.

9. Soziale Kontakte pflegen

Wie tut es doch gut, mit der Freundin mal so richtig ausgiebig am Telefon oder per Skype zu sprechen! Manchmal brauchen wir Inspiration von aussen und es reicht uns nicht, alles, was uns auf der Seele liegt, in der Partnerschaft zu thematisieren. Der Mensch ist einfach ein soziales Wesen – ein reger zwischenmenschlicher Austausch mit möglichst unterschiedlichen Gesprächspartnern tut eben gut und festigt das Gefühl von Gemeinschaft und Zusammengehörigkeit.

10. Rechtzeitig Hilfe holen

Die eigenen Bedürfnisse zu erkennen, der Austausch mit dem Partner darüber und das Schaffen von Freiräumen führt oft schon zur Lösung von Konflikten. Wichtig ist auch die persönliche Haltung, mit der ich in das Gespräch gehe: Bin ich bereit, auch die Bedürfnisse des anderen zu hören? Habe ich wirklich den Willen, eine Lösung zu finden?

Am besten ist es, Dinge, die einen stören oder Wünsche immer möglichst frühzeitig mitzuteilen, damit sich erst gar keine Aggressionen anstauen können.

Sollte das doch einmal nicht funktionieren oder es zu einer Eskalation kommen, so ist es ratsam, sich Hilfe in Form von Beratung oder Vermittlung zu holen. Viele psychologische Beratungsstellen – oder auch die Coaches in der Frauenakademie Luzern – bieten gerade in dieser Zeit auch kurzfristige Klärungstermine an.

Auch anderen Menschen geht es ähnlich und niemand muss alleine bleiben mit seinen Nöten und (Beziehungs-)Problemen!

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