Der Arschengel Und Dein Wunder Punkt

Arschengel – Was du von ihnen lernen kannst

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13. Juni 2021

“Arschengel – eine anfangs etwas merkwürdige Wortzusammensetzung aus “Arsch” und “Engel”. Was bedeutet das?

Gleich vorweg: Auch ich konnte mit diesem Begriff zunächst nicht viel anfangen. Er ist mir aber im Laufe der Zeit ans Herz gewachsen. Weil er mir – und das hätte ich nie für möglich gehalten – eine unglaubliche Hilfe im Umgang mit einer ganz speziellen Gruppe von Menschen in meinem Lebensumfeld geworden ist!

In diesem Blogbeitrag liest du über folgende Themen:

Inhaltsverzeichnis

  • 1.1 Wer sind die Arschengel in deinem Leben?
  • 2.2 Wenn der Arschengel deinen wunden Punkt trifft
  • 3.3 Warum wird der Arsch zum Engel?
  • 4.4 Was bringt dir dein Arschengel über dich selbst bei?
  • 5.5 Wie kannst du das Geschenk deines Arschengels annehmen?

Wer sind die Arschengel in deinem Leben?

Mit diesen ganz speziellen Menschen meine ich die Unerträglichen, die Bescheuerten, eben die “Ärsche”, die uns einfach fürchterlich auf die Nerven gehen. Wenn wir sie schon von weitem sehen oder hören und auf die wir eigentlich sehr gut verzichten könnten in unserem Leben.

Weil sie immer:

  • alles besser wissen,
  • alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen,
  • die berühmte “Extrawurst” gebraten haben müssen,
  • sofort beleidigt sind, wenn sie ihren Willen nicht bekommen
  • und einfach ohne Ende nerven!

Und diese Menschen gibt es überall, in all unseren Lebensbereichen: Es ist die Nachbarin, die immer kritisch über den Gartenzaun spioniert, der Chef, der sich für unfehlbar hält, die Arbeitskollegin, die immer zuerst an sich selbst denkt, die Freundin, deren Probleme immer an erster Stelle stehen oder manchmal sogar auch die liebsten Familienmitglieder mit ihren diversen Eigenheiten.

Gibt es in deinem Leben auch Menschen, die dich mit ihrem Egoismus immer wieder zur Weissglut bringen?

  • Die dich mit ihren Worten, Bemerkungen und Verhalten klein machen und dir ein schlechtes Gefühl verursachen?
  • Die dich immer wieder kritisieren, dich wie ein kleines Kind behandeln oder sich ungefragt in dein Leben einmischen?
  • Die dich unglaublich wütend machen, weil sie nur an sich denken, undankbar, unverschämt oder ignorant sind?

Mit einem Wort: Das Verhalten dieser Mitmenschen löst etwas in uns aus – und das ist nichts Positives!

In der Psychologie nennt man diesen Vorgang “Triggern”.

Wenn mich etwas triggert, löst etwas eine starke emotionale Reaktion aus. Ich denke dann nicht mehr rational, sondern reagiere verärgert, ängstlich, wütend, agressiv, oder bin wie gelähmt. Eigentlich ist vielleicht gar nichts Besonderes geschehen und doch reagiere ich unerwartet heftig.

Und jetzt kommt dieser wundersame Begriff “Arschengel” ins Spiel. Ich habe ihn in einem Buch von Robert Betz gelesen. Erstmals verwendete Robert Betz den Begriff hier (als Hörbuch auch sehr empfehlenswert!).

Und was mich immer wieder überrascht hat: Nicht alle finden “meinen” Arschengel ebenfalls so blöd wie ich. Manche finden ihn sogar ganz sympathisch. Und das, wenn wir uns gerade so richtig über diesen Arschengel aufregen und beklagen möchten und das Bedürfnis haben, genau darzustellen, warum sie so unterträglich sind und alles falsch machen und dass das ÜBERHAUPT nicht geht!!!!

Wenn wir gerade einen guten Tag haben, sind wir vielleicht sogar in der Lage, unseren Arschengel irgendwie zu ertragen, minutenweise, mit viel Meditation und innerlichem Protest. Aber wenn das falsche Wort fällt, würden wir diesem Menschen am liebsten sofort wieder ins Gesicht springen! Wir hassen ihn vielleicht sogar einfach!!!

Wenn der Arschengel deinen wunden Punkt trifft

Arschengel drücken immer wieder auf unsere Knöpfe, so dass wir hochgehen wie eine Rakete.

Und damit können wir viel von ihnen lernen – wenn wir uns unsere Reaktion auf diesen Trigger genauer anschauen. Arschengel sind nämlich nicht der wirkliche Grund für unseren Widerstand, sondern sie lösen ihn nur aus. Wir sollten uns ganz genau mit der Frage beschäftigen:

Was genau verursacht meine negative Reaktion?

Der Grund ist, dass das soeben Erlebte uns an etwas von früher erinnert. Oft an einen Zustand in unserer Kindheit. Arschengel verärgern und verletzen uns deshalb so sehr, weil sie dich an das sich machtlos und wertlos fühlende Kind erinnern. Das erwachsene Gehirn schlägt Alarm, was dann eben zu verschiedenen Reaktionen führen kann. Ich reagiere jetzt so stark darauf, weil ich unbewusst eine Art déjà Vu habe, ich die Situation von damals nicht wirklich verarbeitet hatte und jetzt ähnliche Gefühle nacherlebe und mich gegen das Erlebte wehre und zwar in Form von „fight“ (kämpfen), oder „flight“ (fliehen).

Wenn es uns gelingt, dieses negative Gefühl in uns und seine Ursache genau zu identifizieren, dann kommen wir möglicherweise einem inneren Konflikt auf die Spur, der schon lange in uns schwelt.

Warum wird der Arsch zum Engel?

Um diesen positiven Aspekt, den ein Arschengel auf uns haben kann, zu erschliessen, muss uns zunächst klar sein, dass nicht unser gehasstes Gegenüber das Problem ist, sondern etwas in uns, das es lediglich repräsentiert. Diese Einsicht ist auf den ersten Blick vielleicht nicht ganz so einfach nachzuvollziehen.

Es geht darum, den Blick vom Arschengel zu wenden und stattdessen mein Inneres anzuschauen.

Unser Verstand verurteilt diese Menschen und wir weisen ihnen die Schuld für unsere eigenen negativen Gefühle zu: “Er macht mich einfach immer wütend!”

Wir übertragen also damit die Verantwortung für unsere Gefühle der Wut, des Ärgers, der Enttäuschung oder auch der Machtlosigkeit einem anderen Menschen. Und geraten dadurch in die berühmte Opferrolle. Wir sollten allerdings selbst die Verantwortung für uns und unsere Gefühle übernehmen. Arschengel haben deshalb eine ganz wichtige Aufgabe: Sie weisen uns auf Gefühle hin, über die wir uns möglicherweise noch gar nicht bewusst sind, die aber still und heimlich in uns ihr Unwesen treiben.

Schauen wir uns also unseren Lieblings-Arschengel mal ganz bewusst an:

Was hat er mit mir zu tun? Welche Eigenschaften an ihm machen mich so wütend? Hätte ich sie vielleicht auch gerne?

Eigentlich würde ich viel lieber bei der anderen Person bleiben, sie kritisieren und ihre Probleme analysieren. Nicht meine eigenen. Das ist viel bequemer, bringt mich aber nicht weiter.

Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge

und nimmst nicht wahr den Balken in deinem Auge?

Bibel, Bergpredigt, Matthäus 7,3-5

Kennt ihr dieses berühmte Bibelzitat? Dieser Splitter-Balken-Effekt ist auch in der Sozialpsychologie bekannt. Jeder Durchschnittsmensch trägt demnach ein ziemlich beschönigtes Bild seiner Persönlichkeit in sich, während die Mitmenschen in der moralischen Bewertung deutlich schlechter wegkommen.

Was bringt dir dein Arschengel über dich selbst bei?

Wenn wir nun vom “Arsch” zum “Engel” kommen, so entdecken wir, dass die Arschengel ein Segen für unsere persönliche Entwicklung sein können. Sie weisen uns mit ihrem Verhalten – über das wir uns schrecklich ärgern – darauf hin, wo es bei uns noch etwas zu verändern oder zu heilen gibt. Vielleicht müssen wir noch wichtige Fähigkeiten entwickeln oder schädliche Glaubenssätze überwinden.

Schauen wir also genau hin, ob es sich bei diesen Verhaltensweisen, die wir als sooooo negativ empfinden, vielleicht genau um die Eigenschaften handelt, die wir gerne hätten. Ein zunächst sehr ungewohnter Gedanke, aber es lohnt sich, ihn zu denken!

Was ist mit den Menschen, die alles besser wissen, die auf ihrer “Extrawurst” bestehen, die die Aufmerksamkeit auf sich ziehen?

Hätten wir vielleicht auch ein bisschen mehr davon in unserem Leben?

Wünschen wir uns nicht auch

Machen wir doch einfach einmal den Versuch und fragen uns, was wir von diesem Menschen, der uns so auf die Nerven geht, lernen können.

Das ist nicht wirklich angenehm, aber gönne dir einfach mal einen zweiten Blick auf das Geschehen und entdecke den Bereich in dir, der noch geheilt werden möchte – auf den dich dein Arschengel hinweisen will!

Wie kannst du das Geschenk deines Arschengels annehmen?

Diese besonderen Mitmenschen werden oft zu einem Trigger für uns, weil sie genau das tun, das wir uns selbst nicht erlauben – aber gerne tun würden.

Beantworte dir also ganz ehrlich folgende Fragen:

Was macht dein Arschengel – erlaubst du dir das auch?

  • Welche Eigenschaften an ihm machen dich so wütend? Hättest du auch gerne mehr davon?
  • Was kann dieser Mensch besonders gut, wenn er selbstsüchtig, egoistisch und ignorant ist? Achtest du selbst genug auf deine Bedürfnisse?

Welchen Knopf drückt dein Arschengel?

  • Achte auf dein Gefühl, das entsteht. Woran erinnert es dich? Schiesst dir ein Gedanke oder ein Glaubenssatz durch den Kopf? (“Immer schön bescheiden sein”, “Ich muss mich zurücknehmen” usw.)

Welche Fähigkeiten kannst du noch lernen?

Warum triggert der Arschengel nur mich und andere finden ihn sogar sympathisch? Kann ich ihre Fähigkeiten, Überzeugungen auch für mich anwenden?

  • Wie und was denkt ein Mensch, der nicht durch den Arschengel getriggert wird?
  • Warum machen ihm die Worte/das Verhalten nichts aus?
  • Welche neuen Gedanken ermöglichen es mir, ebenfalls gelassen und entspannt zu reagieren?

Wie du beim Lesen sicherlich bemerkt hast, ist dieser Text kein konkreter Ratgeberartikel, sondern mehr ein Denkanstoss. Für mich persönlich war es immer wieder sehr schwierig – trotz psychologischer Ausbildung – mit solchen Menschen umzugehen. Das Konzept der “Arschengel” hat mir wirklich sehr dabei geholfen, den Sinn dieser ganz speziellen Herausforderung zu erkennen.

Und etwas kann ich dir auch noch verraten: Seitdem ich mich im Kontakt mit meinen “Arschengeln” frage, was ich durch sie noch lernen könnte, treten sie auf irgendeine wundersame Weise viel seltener in mein Leben …

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